Sinfoniekonzert anlässlich des Holocaustgedenktages

Am 28. Januar machten sich acht Bundesbrüder zur Staatsoper auf. Unter Leitung des Dirigenten Wolfgang Bozic spielte das Niedersächsische Staatsorchester jeweils ein Stück von Karl Amadeus Hartmann, Arnold Schönberg und Gustav Mahler. Das 4. Sinfoniekonzert stand im Zeichen des Holocaust-Gedenktages, dem 27. Januar.


Es dokumentiert in seiner ersten Hälfte, wie zwei Komponisten auf die politischen Verwerfungen der nationalsozialistischen Diktatur von 1933 bis 1945 reagiert haben. Karl Amadeus Hartmanns „Sinfonia tragica“, 1940 in München komponiert, ist ein Ausdruck vom Leiden an der Welt, konkret: am nationalsozialistischem System. Der Komponist hat seine Werke aus der inneren Emigration explizit als „Bekenntnismusik“ verstanden. Ein erschütterndes politisches und religiöses Bekenntnis ist weiterhin das Stück „Ein Überlebender aus Warschau“. Arnold Schönberg, der 1933 zum Judentum rekonvertierte, vertont darin den Bericht eines Überlebenden aus dem Warschauer Ghetto: Auf dem Höhepunkt der Bedrohung durch einen deutschen Feldwebel, kurz vor der Deportation nach Auschwitz, stimmen die Juden ihr Glaubensbekenntnis „Sh´ ma Israel“ an. Als Sprecher ist Franz Matura zu erleben – als jahrelanger Stammgast in Bayreuth, an der Wiener Staatsoper und der New Yorker Met nicht weniger als eine Sängerlegende. In der zweiten Konzerthälfte spielte das niedersächsische Staatsorchester Gustav Mahlers Sinfonie, die bereits alle Merkmale der Mahlerschen Modernität in sich trägt: Die monumentale Großform, das Aufeinanderprallen von spätromantische Emotion und grotesker Kolportage, die Anklänge ab die Welt außerhalb des Konzertsaals. Mahlers Musik spiegelt die Brüchigkeit der untergehenden romantischen Zeit und ist zugleich ein Widerhall der dreifachen Heimatlosigkeit des Komponisten: als Böhme in Österreich, als Österreicher in Deutschland und als Jude in der Welt.